Alexander der Große: Forscher rekonstruieren antike Stadt nach 2000 Jahren

Vor über 2300 Jahren gründete Alexander der Große eine bedeutende Hafenstadt am Tigris. Lange war sie vergessen, doch nun ist es Archäologen gelungen, die verschollene Metropole neu zu verorten und mittels modernster Technik zu rekonstruieren.
Alexander der Große: Forscher rekonstruieren antike Stadt nach 2000 Jahren
Shutterstock AI

Im Jahr 324 v. Chr. gründete Alexander der Große eine Stadt namens Alexandria am Tigris. Sie wurde zu einer bedeutsamen Hafenstadt, welche den Handel zwischen Indien, Mesopotamien und dem Mittelmeer ermöglichen sollte. Alexander gründete die Stadt im Rahmen seines Feldzuges und wollte seine Macht erweitern, bevor er schließlich im Jahr 323 v. Chr. starb.

Forscher haben sich jahrelang mit Alexandria am Tigris auseinandergesetzt und versucht herauszufinden, wo genau sich die Hafenstadt befunden hat. Kürzlich haben sie den Standort verifizieren und die Stadt rekonstruieren können. Die Entdeckung der Stadt galt als besonders wichtiges Forschungsziel, da sie sich damals zu einer der bedeutendsten hellenistischen Gründungen im Osten entwickelte.

Statue von Alexander dem Großen
Esin Deniz/Shutterstock

Alexander der Große: Forscher rekonstruieren Alexandria am Tigris

Charax Spasinou, wie die Stadt auch bezeichnet wird, wurde von Stefan Hauser und seinem Team von der Universität Konstanz neu verortet. Denn trotz der wichtigen historischen Bedeutung galt Alexandria am Tigris lange als vergessen. Hauser hatte bereits eine gute Vorstellung davon, wo genau sich die Handelsmetropole befunden haben könnte. „Einige Teilnehmer seiner Feldzüge berichten darüber, sodass wir recht gute, teilweise sehr detaillierte Informationen über die Feldzüge Alexanders haben“, erklärte der Professor für Mediterrane und Vorderasiatische Archäologie. „Die Situation ist eigentlich dieselbe: Man gründet dort eine Stadt, wo das offene Meer und die Flusssysteme, also die weiteren Transportsysteme ins Inland, aufeinanderstoßen“, heißt es weiter.

Anzeige

„Äquivalent zu Alexandria am Nil“: Diese Geschichte verbirgt sich hinter der ehemaligen Metropole

In Jebel Khayyaber, im Südirak, befindet sich die Ruine der ehemaligen Hafenstadt. Hauser und sein Team arbeiteten seit dem Jahr 2016 an der Wiederentdeckung der Stadt. Im Jahr 2017 reiste Hauser erstmals an den Ort, der durch die komplexe Sicherheitslage schwer zu erreichen und zu erforschen gewesen ist. „Über die Jahre sind wir dann die gesamte Umgebung abgelaufen, also über 500 Kilometer insgesamt, und haben alle Oberflächenfunde, vor allem Scherben und Ziegelbruch, dokumentiert, die uns Hinweise auf eine vormalige Besiedlung geben.“ Drohnenaufnahmen und Bodenradar-Analysen haben schließlich dazu geführt, dass die Forscher Alexandria am Tigris teilweise rekonstruieren konnten. „Uns wurde nun klar, dass wir hier wirklich das Äquivalent haben zu Alexandria am Nil, der berühmten Stadt in Ägypten“, sagt Hauser.

Säulen aus Alexandria am Tigris
Charax Spasinou Project 2022

Kompletter Stadtplan: Forscher verfolgen großes Ziel

Die Forscher konnten genauer ermitteln, wo sich größere Wohnbereiche, Tempelanlagen und auch Nutzbereiche befunden haben. Doch im 3. Jahrhundert n. Chr. wurde die Stadt verlassen, da sich der Tigris verlagerte und sie ihre Funktion verlor. „Die heutige Nachfolgerin ist die Stadt Basra.“ Die neuen Erkenntnisse teilte das internationale Team offiziell in diesem Jahr mit. Die Forschungen der Archäologen und Geophysiker sollen genauer zeigen, wie wichtig die Metropole damals gewesen ist. Die Arbeiten an dem Projekt sind noch nicht abgeschlossen: „Wir haben die nahezu einmalige Chance, einen kompletten Stadtplan durch geophysikalische Forschung zu rekonstruieren, und hoffen derzeit, die geophysikalischen Untersuchungen noch in diesem Jahr abzuschließen.“

Anzeige