Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir sterben? Auf diese Frage sucht die Wissenschaft schon seit Jahrhunderten Antworten. Dabei ist vor allem in den vergangenen Jahrzehnten ein Phänomen in das öffentliche und auch das wissenschaftliche Interesse gerückt: Nahtoderfahrungen. Medizinisch sind die kurz als NTE bezeichneten Vorkommnisse aber nach wie vor umstritten, da nicht genau geklärt ist, was dabei im Gehirn geschieht.
Betroffene berichten jedoch oft von ähnlichen Erfahrungen. Zu diesen gehört auch die 62-jährige Ingrid Honkala. Die Kolumbianerin ist studierte Meeresbiologin und war bereits für die US Navy und die NASA tätig. Dabei war sie im Laufe ihres Lebens mehrfach unmittelbar mit dem Tod konfrontiert. Inzwischen spricht sie offen über die Nahtoderfahrungen, die sie dabei gemacht hat.
Licht und Blumen im Wasser: Honkalas erste Nahtoderfahrung
Das erste Ereignis im Leben von Ingrid Honkala, das zu einer Nahtoderfahrung führte, erlebte sie bereits im Alter von drei Jahren. Wie auch ihre Mutter bestätigte, fiel das kleine Mädchen damals in einen großen Wassertank, wie er in vielen Haushalten des Landes zu dieser Zeit üblich war. Ihre Mutter war es auch, die sie schließlich rettete und wiederbelebte.
Rückblickend beschreibt Honkala, dass sie im Wasser plötzlich ein ausgesprochen friedvolles Gefühl überkommen habe. In der Dunkelheit habe sie damals „von Licht umgebene Blasen“ gesehen. Dann sei sie von aus dem Nichts erblühenden Blumen emporgehoben worden, bis sie ein sanftes und beruhigendes Licht gesehen habe.

Körperlose Wahrnehmung nach Unfall
„Die Panik verschwand und wurde von einem überwältigenden Gefühl von Frieden und Stille abgelöst“, beschreibt die inzwischen 62-Jährige ihre damaligen Gefühle. Zudem habe sie damals ihren leblosen Körper von oben im Wasser treiben sehen. In diesem Moment habe sie sich nicht wie ein Kind, sondern „wie reines Bewusstsein, ein Feld aus Wahrnehmung und Licht“ gefühlt.
Nach den Wiederbelebungsmaßnahmen habe sie sich aber lange nicht getraut, über das Erlebte zu sprechen. Das habe auch daran gelegen, dass sie davon ausgegangen war, dass man dem Erinnerungsvermögen einer Dreijährigen ohnehin nicht vertrauen würde.
Allerdings war Ingrid Honkala anschließend noch zwei weitere Male mit dem Tod und jeweils mit einer ähnlichen Nahtoderfahrung konfrontiert. Mit 25 erlitt sie einen schweren Motorradunfall, mit Anfang 50 sackte dann ihr Blutdruck bei einer Operation lebensbedrohlich ab.
Nahtoderfahrungen spalten die Wissenschaft
Rückblickend berichtet die Biologin, dass sie beide Male dasselbe Gefühl des Friedens und der Stille verspürt habe, wie als Kind in dem Wassertank. Dazu sei außerdem wieder das Gefühl einer außergewöhnlichen Bewusstseinserweiterung gekommen.
Inzwischen hat die Kolumbianerin ein Buch über ihre Nahtoderfahrungen geschrieben und arbeitet als spiritueller Coach. Dabei möchte sie Personen helfen, die Ähnliches erlebt haben wie sie. Zudem möchte sie Menschen die Angst vor dem Tod nehmen, der sich nicht nach dem „Ende der Existenz“ anfühle. Daraus leitet sie wiederum ab, dass das Bewusstsein unabhängig vom Körper existiert und der Tod nur ein Übergang in eine andere Dimension ist.
Diese Theorie ist keinesfalls neu, allerdings ist sie auch eine der umstrittensten in Bezug auf Nahtoderfahrungen. Während neurologisch etwa das Sehen von Licht oder das Gefühl des Schwebens zu erklären ist, gilt das für diese Bewusstseinstheorie nicht. Entsprechend polarisieren die Aussagen von Ingrid Honkala immer wieder, wobei ihre Geschichte als Projektionsfläche für beide Seiten genutzt wird – sowohl von den Anhängerinnen und Anhängern der Theorie als auch von denen, die nicht daran glauben.
