Gewalt gegen Männer in Beziehungen: Warum viele Betroffene schweigen

„Darüber spricht man nicht“ – dieser Satz hält viele Männer in toxischen Beziehungen gefangen. Warum psychische und körperliche Gewalt jedes Geschlecht treffen kann und welche Anlaufstellen heute Unterstützung bieten.
Gewalt gegen Männer in Beziehungen: Warum viele Betroffene schweigen
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Die Gewalt gegen Frauen in Deutschland hat erst kürzlich einen neuen Höchststand erreicht. Das Bundeskriminalamt veröffentlichte eine Statistik, die zeigte, dass im Jahr 2024 insgesamt 171.069 Personen Opfer häuslicher Gewalt im Rahmen einer Partnerschaft geworden sind. 80 Prozent von ihnen waren Frauen.

Das Lagebild zeigt darüber hinaus, dass auch Männer von toxischen Beziehungen betroffen sind. Dabei geht es nicht nur um körperliche Angriffe, sondern auch um psychische Belastungen. Gleichgeschlechtliche Paare machen ebenfalls immer häufiger auf enorme Konflikte aufmerksam. Dazu gehört beispielsweise das Zwangsouting oder auch Drohungen und Isolation. „Die Prävalenz von Gewalt in LGBT*IQ-Beziehungen erfährt in der Öffentlichkeit wenig Beachtung“, erklärt beispielsweise die Stiftung Prout at Work. Öffentlich wird über diese Themen jedoch nur selten gesprochen. Mittlerweile melden sich allerdings immer mehr Betroffene in den sozialen Medien zu Wort und motivieren andere, sich Hilfe zu holen.

Symbolbild Gewalt gegen Männer: Mann sitzt verzweifelt an einem Tisch
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Partnerschaftsgewalt: Toxische Beziehungen können jedes Geschlecht schwer belasten

In rund 20 Prozent der Fälle von Partnerschaftsgewalt waren die Opfer im Jahr 2024 männlich. Doch die meisten Betroffenen schweigen jahrelang. Aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen handelt es sich immer noch um ein Tabuthema. In einer Dunkelfeld-Studie des „Weißen Rings“ erklärte jeder zweite Mann, schon einmal Opfer von partnerschaftlicher Gewalt geworden zu sein. Auch psychische Gewalt steht hier im Mittelpunkt. Denn es geht nicht nur um körperliche Angriffe, sondern auch um Narzissmus, Manipulation und passive Aggressionen.

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Viele Betroffene erkennen selbst gar nicht, in welcher Lage sie sich befinden. Männer sprechen noch seltener in ihrem Freundeskreis über ihre Beziehung, was häufig dazu führt, dass sie in einer solchen Partnerschaft verharren. „Am Anfang habe ich das gar nicht richtig bemerkt. Es fing damit an, dass ich Stück für Stück von meinem Freundeskreis abgeschottet wurde“, erklärte Steven H. gegenüber dem Fernsehsender WDR. „Sie wurde laut, emotional, hat geweint, mich festgehalten, gekratzt oder mir Ohrfeigen gegeben (…) Einmal stand sie sogar mit einem Küchenmesser da“, heißt es weiter.

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„Darüber spricht man(n) nicht“: Hotline soll betroffene Männer unterstützen

Mittlerweile gibt es spezielle Telefonhotlines, bei denen sich Männer melden können, um anonym Hilfe zu erhalten. „Oft stecken Männer die Demütigungen, Drohungen oder Schläge jahre- und sogar jahrzehntelang ein. Denn darüber spricht man(n) nicht“, erklärte Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf.Eine Untersuchung des Männerhilfetelefons hat gezeigt, dass die Gewalt gegenüber Männern in 60 Prozent der Fälle von einer Ex-Partnerin oder einem Ex-Partner ausging.

Die Bundesfach- und Koordinationsstelle Männergewaltschutz arbeitet kontinuierlich an Angeboten für Betroffene. Hier soll man nicht nur Hilfe finden, sondern sich auch mit Betroffenen austauschen können. Die Entwicklungen zeigen zwar, dass jeder Mensch Opfer von Gewalt werden kann, doch statistisch gesehen trifft es Frauen deutlich häufiger. Psychologen und Hilfsorganisationen betonen unabhängig davon, wie wichtig es ist, dass man nicht schweigt - egal ob Mann, Frau oder non-binär.