In den vergangenen Monaten haben sich immer mehr Eltern dem sogenannten „Gentle Parenting“ angeschlossen. Doch mittlerweile warnen einige Mütter und Väter vor dem beliebten Trend. Bei der „sanften Erziehung“ wollen Eltern ihre Kinder nicht mehr bestrafen, stattdessen geht es um eine Kommunikation auf Augenhöhe.
Diese Methode führt allerdings auch gleichzeitig dazu, dass die Kinder die logischen Erklärungen in Konfliktsituationen nicht ernst nehmen oder schlichtweg nicht verstehen. Sie lernen keine klaren Grenzen mehr kennen und machen zum Schluss, was sie wollen. Die achtsame Erziehung zielt auf die Kooperation des Kindes ab und erfordert viel Geduld – und genau die haben viele Eltern nicht mehr.

"Gentle Parenting" bringt zahlreiche Eltern zur Verzweiflung
„Über die Jahre gab es Frustrationen und Erfolge mit dem Verhalten meines Kindes. Aber in den letzten 12 Monaten etwa hat sich ihr Verhalten stetig verschlechtert“, berichtet beispielsweise eine Mutter auf der Plattform Reddit. Eigentlich hatte sie gehofft, eine „bessere Erziehungsmethode“ anwenden zu können als ihre eigenen Eltern. „Ich versuchte freundlich zu sein, sie ihre Emotionen ‚fühlen‘ zu lassen und immer darüber zu sprechen, wie wir es beim nächsten Mal besser machen könnten, sobald sie ruhig waren. Nichts funktionierte“, heißt es weiter. Nachdem ihre Tochter mit Essen um sich warf, wurde die Mutter schließlich sauer.
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Für wen ist "Gentle Parenting" wirklich geeignet?
Deshalb folgte ein drastisches Vorgegen. Das Kind durfte keinen Zucker mehr essen, es gab ein Fernsehverbot und einige Spielzeuge verschwanden. Daraufhin begann das Kind sich für sein „unverschämtes Verhalten“ zu entschuldigen. Es trat sofort ein Lerneffekt ein. Doch es gibt auch Eltern, die positive Erfahrungen mit dem Erziehungsstil gemacht haben. Sie schrieben, dass sie sich dadurch auch selbst verändert haben und sich sogar mehr um die eigenen Bedürfnisse kümmern. „So sehr man auch versuchen möchte, die Fassung zu bewahren, an manchen Tagen scheint das einfach unmöglich zu sein. Aber in Wahrheit gibt es sanfte Methoden, um mit Stresssituationen umzugehen und sich gleichzeitig um alle Kinder zu kümmern“, schreibt eine Userin.
Es handelt sich demnach um ein ganz individuelles Erlebnis. Nicht immer reagieren Kinder wie gewünscht auf das „Gentle Parenting“. Auch die Autorin Sarah Ockwell-Smith schreibt in ihren Büchern, dass die intuitive Erziehungsform eigentlich dazu gedacht sei, auch die Eltern zu entlasten. Es soll eben keinen speziellen Verhaltenscode mehr geben. Ob die Methode tatsächlich die richtige für einen selbst ist, bleibt die eigene Entscheidung.
Was ist "Gentle Parenting"?
Beim sogenannten "Gentle Parenting" handelt sich um eine "sanfte" Erziehungsform, die insbesondere durch die sozialen Medien an Beliebtheit gewonnen hat. Es geht um Empathie, Respekt, Verständnis und ruhigen Erklärungen. Dabei kommt diese Methode ohne Strafen und Belohnungen aus. Es geht darum, das Kind auf Augenhöhe zu begleiten und die Emotionen besser zu verstehen. So soll eine starke Bindung und gleichzeitig die Selbstständigkeit gefördert werden.
