Welche Versicherungen braucht man wirklich

Versicherungen sind für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Doch welche Versicherung braucht man wirklich? Wer sich auf die sinnvollen Versicherungsprodukte konzentriert, kann mit wenig Aufwand die wichtigsten Risiken absichern.

, 11:15 Uhr
Welche Versicherungen braucht man wirklich
Jirsak/shutterstock

Kurz zusammengefasst:

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  • Einzelne Versicherungen wie die Krankenversicherung oder die Kfz-Haftpflichtversicherung sind gesetzlich vorgeschrieben.
  • Darüber hinaus solltest du dich zunächst um die private Haftpflichtversicherung, die Auslandsreise-Krankenversicherung und die finanzielle Absicherung gegen Berufsunfähigkeit kümmern.
  • Weitere Versicherungen können je nach Bedarf und Lebenslage sinnvoll sein, manche Policen sind auch schlichtweg überflüssig.

Richtig versichern spart Aufwand und Geld

Wenn es um die Frage geht, welche Versicherungen man braucht und welche nicht, sind viele Menschen richtig verunsichert. Lieber eine Police mehr abschließen, um wirklich auf der sicheren Seite zu sein? Oder das Thema möglichst ignorieren, weil es zu kompliziert ist und bei den vielen Versicherungsprodukten sowieso keiner mehr durchblickt? Beides bringt Nachteile: Wer zu viele Versicherungen hat, gibt jede Menge Geld für unnötige Policen aus – und wer wichtige Risiken nicht absichert, verliert im Schadensfall viel Geld.

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Die richtige Strategie ist ganz einfach. Du sparst viel Zeit und Geld, wenn du dich auf die Versicherungen konzentrierst, die man wirklich braucht. Das sind Versicherungen, die entweder gesetzlich vorgeschrieben sind oder mit denen du im Schadensfall verhindern kannst, dass du in massive finanzielle Schwierigkeiten gerätst.

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Welche Versicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben?

Einige Versicherungen sind in Deutschland vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Das betrifft in erster Linie die Krankenversicherung sowie die Haftpflichtversicherung bei Kraftfahrzeugen.

Krankenversicherung

Als Arbeitnehmer bist du über die Sozialversicherung bei einer Krankenkasse versichert. Diese kannst du frei auswählen, wobei jedoch die Beiträge und Leistungen sehr ähnlich sind. Die Höhe der Kosten richtet sich nach dem Beitragssatz und deinem Einkommen. Je mehr Geld du verdienst, umso mehr zahlst du in die Krankenversicherung ein.

Selbstständige, Gutverdienende mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze und Beamte können frei entscheiden, ob sie sich freiwillig gesetzlich oder lieber privat krankenversichern wollen.

Kfz-Versicherung

Ohne eine Kfz-Haftpflichtversicherung darf kein motorisiertes Fahrzeug am Straßenverkehr teilnehmen. Bei der Wahl des Versicherers für dein Auto oder Motorrad hast du freie Hand – und Vergleichen lohnt sich, weil es große Preisunterschiede gibt. Die Höhe der Kosten hängt ab von

  • der Art des Fahrzeugs,
  • den schadensfreien Versicherungsjahren des Versicherten sowie
  • weiteren Faktoren wie etwa der jährlichen Kilometerleistung.

Häufig bieten Kfz-Versicherer zusätzlich noch eine Teil- oder Vollkaskoversicherung an. Diese ist jedoch nicht verpflichtend und lohnt sich auch nicht immer. Die Teilkaskoversicherung umfasst Glas-, Hagel- und Brandschäden, Diebstahl und Wildunfälle. Da sie nur geringe Zusatzkosten verursacht, kannst du den Teilkaskoschutz dazubuchen, um mehr Sicherheit zu erhalten. Die Vollkaskoversicherung übernimmt auch Unfällschäden bei selbst verursachten Unfällen, lohnt sich aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten nur für neuere Fahrzeuge.

Welche Versicherungen sind für mich wichtig?

Zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungen solltest du dich gegen einige weitere Risiken absichern. Das betrifft insbesondere die private Haftpflichtversicherung, die Krankenversicherung auf Auslandsreisen und den Schutz vor den finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit.

Private Haftpflichtversicherung

Wer einen anderen zu Schaden bringt, muss dafür haften. Dieser Grundsatz gilt bei kleinen Missgeschicken, wenn du beim Besuch bei Freunden versehentlich deren Notebook beschädigst. Aber auch bei großen Unfällen muss der Verursacher haften – etwa dann, wenn ein Fußgänger achtlos auf die Straße läuft und ein heranfahrender Transporter beim Ausweichmanöver einen Unfall baut. Dann muss der Fußgänger nicht nur den Schaden an Fahrzeug und Ladung begleichen, sondern auch für Behandlungskosten geradestehen, wenn es Verletzte gegeben hat. Im schlimmsten Fall können solche Haftungsansprüche den finanziellen Ruin bedeuten.

Davor schützt die private Haftpflichtversicherung, die selbst bei grober Fahrlässigkeit einspringt und bei berechtigten Schadenersatzansprüchen die Zahlung übernimmt. Diese Police ist ein Muss für alle und kostet auch nicht viel – je nach Anbieter und Tarif gibt es die private Haftpflichtversicherung für rund 50 bis 100 Euro pro Jahr.

Auslandsreise-Krankenversicherung

Verbringst du deinen Urlaub gerne mal im Ausland? Dann benötigst du eine Auslandsreise-Krankenversicherung als Ergänzung zu deiner gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung.

Zwar springt die gesetzliche Krankenkasse ein, wenn ein Versicherter im EU-Ausland aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls eine ärztliche Behandlung benötigt. Doch gezahlt wird nur der in Deutschland geltende Tarif – wenn der Arzt oder die Klinik im Ausland mehr abrechnet, muss der Patient die Differenz aus eigener Tasche zahlen. Überhaupt keine Leistung erbringt die reguläre Krankenversicherung außerhalb Europas.

Damit ist die Auslandsreise-Krankenversicherung ein Muss für alle Urlauber. Der Preis ist meist günstig: Singles erhalten Versicherungsschutz ab etwa 10 Euro pro Jahr, Paare und Familien zahlen etwa das Doppelte. Abgedeckt sind meist Reisen bis zu sechs oder sieben Wochen. Wer länger unterwegs ist, benötigt eine spezielle Langzeit-Reisekrankenversicherung.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wenn du wegen eines Unfalls oder einer Krankheit deinen Beruf nicht bis zum regulären Rentenalter ausüben kannst, musst du mit großen Lücken in der sozialen Absicherung rechnen. Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt nur, wenn man überhaupt nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt arbeiten kann. Wer jedoch nur in seinem Beruf nicht mehr tätig sein kann, geht leer aus – das wäre etwa der Fall, wenn ein Dachdecker wegen eines Bandscheibenvorfalls nicht mehr körperlich arbeiten, aber noch in einen Verwaltungsjob wechseln könnte.

Um in solchen Fällen finanziell abgesichert zu sein, empfiehlt sich der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung. Am besten versicherst du dich möglichst frühzeitig nach dem Start ins Berufsleben. Dann profitierst du von zwei wichtigen Vorteilen:

  • Junge Leute haben meist noch kaum gesundheitliche Probleme, so dass Risikoaufschläge oder Leistungsausschlüsse wegen bereits bestehender Leiden weniger wahrscheinlich sind, und
  • beim Versicherungsbeginn in jungen Jahren sind die Beiträge günstiger als für diejenigen, die sich erst später für eine Berufsunfähigkeitsversicherung entscheiden.

Unter den empfehlenswerten Versicherungen ist die private Berufsunfähigkeitsversicherung am teuersten. Schon für junge Leute können die jährlichen Kosten rund 1.000 Euro betragen. Wie hoch die Prämie im Einzelfall ausfällt, hängt von Anbieter und Tarif, Eintrittsalter des Versicherungsnehmers und dem ausgeübten Beruf ab.

Optionale Versicherungen: Kann man haben, muss man aber nicht

Erst wenn du die wirklich wichtigen Risiken abgesichert hast, solltest du dich mit der Frage befassen, ob eventuell der Abschluss weiterer Versicherungen sinnvoll ist. Es gibt noch einige Policen, die in bestimmten Lebenssituationen sinnvoll sein können, aber nicht unbedingt ein Muss sind.

  • Unfallversicherung. Die Unfallversicherung zahlt eine festgelegte Summe, wenn nach einem Unfall bleibende gesundheitliche Schäden vorhanden sind. Sinnvoll ist sie aber nur dann, wenn für den Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung nicht genügend Geld vorhanden ist. Denn: Die Unfallversicherung ist billiger, deckt aber nur Gesundheitsschäden nach Unfällen ab. Sinnvoller ist die Berufsunfähigkeitsversicherung, weil damit auch die Folgen von Krankheiten abgedeckt werden.
  • Risikolebensversicherung. Diese Versicherung zahlt die Versicherungssumme an die Hinterbliebenen, wenn die versicherte Person stirbt. Sinnvoll ist sie vor allem für den Hauptverdiener in Familien, um Kinder finanziell abzusichern.
  • Hausratversicherung. Mit dieser Police versicherst du deine Wohnungseinrichtung gegen Brand, Wasserschäden und andere Schadensfälle. Empfehlenswert ist die Hausratversicherung dann, wenn die Wohnung eher hochwertig eingerichtet ist und auch teure elektronische Geräte vorhanden sind. Für eine Studentenbude mit Second-Hand-Möbeln braucht man diese Versicherung hingegen nicht.
  • Rechtsschutzversicherung. Die Rechtsschutzversicherung übernimmt die Prozesskosten, wenn der Versicherer den Prozess als aussichtsreich einstuft und eine Deckungszusage erteilt. Versichern kann man verschiedene Bereiche wie Mieterrechtsschutz oder Verkehrsrechtsschutz. Die Versicherung kann in manchen Fällen nützlich sein, ist aber nicht unbedingt notwendig.
  • Krankenzusatzversicherungen. Mit privaten Zusatzversicherungen lässt sich die Leistung der gesetzlichen Krankenkasse ergänzen, etwa bei der Übernahme von Zahnersatz- oder Heilpraktikerkosten. Die Versicherungen eignen sich für diejenigen, die gezielt einzelne Gesundheitsleistungen zusätzlich versichern wollen – aber zwingend notwendig sind sie nicht.

Welche Versicherungen braucht man nicht?

Überflüssig ist eine Versicherung meist dann, wenn zwei Kriterien zutreffen: Du sicherst damit im Ernstfall kein existenzbedrohendes Risiko ab und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du im Lauf der Zeit für die Versicherung mehr Geld ausgibst als wenn du die Schäden selbst bezahlen würdest.

Reparaturversicherungen

Ob Smartphone, TV-Gerät oder Notebook: Für viele Elektronikartikel bieten Händler beim Kauf eine Versicherung an, mit der sich über einen bestimmten Zeitraum die Kosten für die Reparatur oder der Zeitwert bei einem Totalschaden abdecken lassen. Allerdings sind die Versicherungskosten im Verhältnis zum abgesicherten Wert oft recht ungünstig, so dass du darauf auch verzichten kannst.

Kapitallebensversicherungen

Bei Kapitallebensversicherungen handelt es sich um eine Kombination aus Risikolebensversicherung und Sparplan. Allerdings sind die Versicherungen unflexibel und die internen Kosten haben einen negativen Einfluss auf die Rendite. Bessere Alternative: Schließe eine Risikolebensversicherung ab (wenn du eine benötigst) und richte für den Vermögensaufbau einen langfristigen Sparplan, beispielsweise mit Indexfonds (ETFs), ein. Dann kannst du beispielsweise bei einem finanziellen Engpass den Sparplan vorübergehend aussetzen, ohne dass du den Versicherungsschutz verlierst.

Restschuldversicherung

Banken verkaufen oft gerne eine Restschuldversicherung, wenn Kunden einen Ratenkredit abschließen. Diese soll zwar die Raten bei Tod, Berufsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit übernehmen, allerdings ist der Schutz vor allem bei Arbeitslosigkeit oft nur eingeschränkt vorhanden. Sinnvoller ist es, auf die teure Extra-Versicherung zu verzichten und bei der Planung des Kredites so viel Reserve einzubauen, dass die Rückzahlung auch bei Einkommensminderung oder Arbeitslosigkeit nicht gefährdet ist.

Kreditkartenversicherungen

Bei manchen Premium- oder Gold-Kreditkarten sind Versicherungsleistungen mit eingebaut, die als Verkaufsargument für teure Jahresgebühren dienen sollen. Allerdings gibt es im Kleingedruckten oft so viele Ausschlüsse, dass ein vernünftiger Schutz gar nicht existiert. Etwa dann, wenn die Kreditkarten-Unfallversicherung nur zahlt, wenn die Fahrt in einem öffentlichen Verkehrsmittel mit der Karte bezahlt wurde. Oder wenn die Reisegepäckversicherung beim Diebstahl keine Leistung erbringt, weil der Versicherte sein Gepäck kurz aus den Augen gelassen hat – was aber in der Praxis die häufigste Ursache bei Gepäckdiebstahl ist. Günstiger ist es im Regelfall, auf Kreditkartenversicherungen zu verzichten und lieber eine Kreditkarte mit möglichst niedrigen Jahresgebühren zu wählen.