Laut Experten: Spritpreise sind nicht so dramatisch

Laut Verkehrsspezialisten war die Lage schon einmal schlimmer.

, 12:06 Uhr
Laut Experten: Spritpreise sind nicht so dramatisch
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In ganz Deutschland wird der Schrei nach einer Spritpreisbremse lauter. Mehr als zwei Euro bezahlt man mittlerweile pro Liter, sodass viele das Gefühl haben, nur noch fürs Fahren zu arbeiten. Doch Verkehrsexperten sehen die Lage noch nicht so kritisch. Zwar ist das Knacken der Zwei-Euro-Marke ein unumstrittener Rekord, jedoch muss man laut ihnen den Spritpreis ins Verhältnis zum durchschnittlichen Nettoeinkommen setzen. Vor zehn Jahren sei die Lage schlimmer gewesen, meint Gernot Sieg, der Direktor des Instituts für Verkehrswissenschaften an der Universität Münster. Damals musste der Fahrer einen größeren Anteil seines Einkommens für den Sprit ausgeben, so der Experte.

Zudem kommt hinzu, dass laut ihm die Deutschen billige Spritpreise gewohnt sind. Im Jahr 2020 musste ein Polofahrer zum Beispiel nur durchschnittlich 3,8 % seines Lohns fürs Tanken aufwenden, wenn er im Jahr 12.000 Kilometer fährt. Aufgrund solcher Zahlen würde der Sprung nach oben nun umso heftiger wirken. Sein Fazit: „Auch wenn sich die Pkw-Fahrer an relativ niedrige Spritpreise gewöhnt haben und Preiserhöhungen schmerzhaft sind, da sie den Konsum in anderen Bereichen verringern, kann dies kein Argument sein, das bei Entscheidungen über Ölembargos gegen Kriegsverbrecher eine entscheidende Rolle spielt.“

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Polen senkt Spritsteuern

Tatsächlich macht den Spritpreis jedoch besonders die Spritsteuer aus, die bei Superbenzin bei 65,45 Cent pro Liter und bei Diesel bei 47,07 Cent liegt. Zusätzlich müssen noch 19 Prozent Mehrwertsteuer gezahlt werden. Polen hat in dieser Hinsicht bereits Maßnahmen getroffen und die Spritsteuer für seine Bürger gesenkt. Dementsprechend fahren mittlerweile viele Deutsche ins Nachbarland, um sich Sprit zu besorgen. Rund 50 Cent kann man dort pro Liter sparen, was eine immense Entlastung ist.

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In Deutschland steht eine solche Spritpreisbremse allerdings noch nicht zur Debatte. Jedoch wird diese Maßnahme mittlerweile vom ADAC und von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gefordert, denn Berechnungen zufolge würde das ein Ersparnis von 22 Cent pro Liter einbringen.

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