Innere Kündigung erkennen: 3 Auswege aus der Krise

Du quälst dich jeden Morgen aus dem Bett, der Weg zur Arbeit ist für dich nur noch eine lästige Pflicht. Und wenn du endlich im Büro bist, schaust du alle fünf Minuten auf die Uhr – in der Hoffnung, dass der Arbeitstag bald vorbei ist. Kommt dir bekannt vor? Dann könnte der Grund dafür eine innere Kündigung sein. Woran du das Phänomen erkennst und was du dagegen tun kannst – sofern du noch bei deinem Arbeitgeber bleiben möchtest – erfährst du jetzt.

, 21:03 Uhr
Innere Kündigung erkennen: 3 Auswege aus der Krise
fizkes/shutterstock

Innere Kündigung: Was ist das überhaupt?

Deine Arbeit macht dir schon länger keinen Spaß mehr und du gehst nur noch jeden Morgen ins Büro, weil du eben Geld verdienen musst. Aber Überstunden oder gar Veranstaltungen deines Arbeitgebers, die in der Freizeit stattfinden, versuchst du so gut es geht zu vermeiden. Ganz davon zu schweigen, dass du wirklich nur noch das Nötigste machst, damit dir dein Chef nicht vorwerfen kann, du seist ein Low Performer.

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Dieses Verhalten nennt man innere Kündigung. Du hast kein Interesse mehr daran, dich mit voller Kraft in das Unternehmen einzubringen. Stattdessen machst du nur noch das Minimum und hoffst darauf, dass es niemandem auffällt und du möglichst unbehelligt dein Dasein fristen kannst.

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Mit einem erfüllten Arbeitsleben hat das natürlich wenig zu tun und trotzdem verharren einige Arbeitnehmer in diesem Zustand. Manche einige Monate, andere Jahre und wieder andere sogar so lange, bis sie in Rente gehen. Manche Mitarbeiter dagegen kündigen nicht nur innerlich, sondern ringen sich irgendwann dazu durch, auch äußerlich zu kündigen, also ihrem Chef ihre Kündigung in Schriftform zu übergeben.

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Psychologie: Daran erkennt man die innere Kündigung

Das tückische an der inneren Kündigung: Man erkennt sie häufig erst, wenn es schon fast zu spät ist. Vorgesetzte und Chefs ahnen häufig monate- und manchmal jahrelang nichts davon, dass ihr Mitarbeiter überhaupt keine Lust mehr hat, noch weiterhin im Unternehmen zu bleiben.

Das hängt zum Teil damit zusammen, dass die innere Kündigung ein langsamer, schleichender Prozess ist. Der Mitarbeiter hat immer weniger Lust auf seine Arbeit, was sich darin zeigt, dass er nach und nach weniger Einsatz zeigt, bis er schließlich nur noch Dienst nach Vorschrift macht.

Würde der Mitarbeiter von heute auf morgen einen derart starken Leistungsabfall zeigen, würden es die Führungskräfte in der Firma vermutlich sofort merken. Da sie es aber nicht tun, müssen Vorgesetzte ziemlich aufmerksam sein, um schon die kleinsten Anzeichen zu erkennen.

Übrigens gilt das nicht nur für Vorgesetzte. Auch du als Mitarbeiter solltest auf jede Veränderung in deinem Verhalten achten. Steuerst du nämlich rechtzeitig dagegen an, wird es vielleicht erst gar nicht zur inneren Kündigung kommen – und das sind nicht nur für deinen Chef gute Nachrichten. Schließlich vergeht so ein Arbeitstag mindestens doppelt so schnell, wenn du Spaß an der Arbeit hast.

 

Anzeichen für die innere Kündigung

Also, worauf solltest du unbedingt achten, wenn du eine innere Kündigung erkennen möchtest, bevor es zu spät ist?

  1. Du hast schon längere Zeit kein Interesse mehr an deiner Arbeit. Auch nach einem Urlaub oder einer anderen längeren Auszeit vom Job bessert sich das nicht. Im Gegenteil, wenn du ein paar Wochen nicht in der Firma warst, fällt es dir danach umso schwerer, wieder in deinen normalen Arbeitstag zu starten.
  2. Du kannst dich nur noch sehr schlecht oder überhaupt nicht mehr für deine Arbeit motivieren. Wo es nur geht, gibst du Aufgaben an deine Kollegen ab. Wenn neue Projekte verteilt werden, hältst du dich vornehm zurück und hoffst, dass du bei der Vergabe übergangen wirst.
  3. Die Aufgaben, die du erledigen sollst, schiebst du immer weiter vor dir her. Nach und nach brauchst du für Routinetätigkeiten unverhältnismäßig lange. Was deine Unzufriedenheit im Job meist noch verschlimmert.
  4. Schlechte Arbeitsergebnisse interessieren dich immer weniger. Während du vor deiner inneren Kündigung solche schlechten Ergebnisse nicht akzeptiert hättest, ist es dir jetzt egal. Du machst eben nur noch das Mindestmaß. So kann dein Chef dich nicht dafür rügen und du musst dich nicht mehr als nötig mit deinen Arbeitsaufgaben befassen.
  5. Während du zu früheren Zeiten mit einem kleinen Schnupfen zur Arbeit gegangen wärst, bleibt du heute sofort zuhause, wenn es im Hals kratzt. Auch über eine Verspätung der Bahn freust du dich – bedeutet die doch, dass du erst etwas später bei der Arbeit sein wirst.

 

Innere Kündigung: Test zu deiner Motivation für den Job

Das oben Gesagte kommt dir zum Teil bekannt vor? Auf der anderen Seite würdest du schon sagen, dass du gern bei deinem Arbeitgeber arbeitest und daher nicht denkst, dass du dich im Prozess der inneren Kündigung befindest. Auf der anderen Seite hat dir dein Job jedoch definitiv schon mehr Spaß gemacht.

Wenn du Klarheit darüber haben möchtest, ob du bereits innerlich gekündigt hast, ob die innere Kündigung eine Gefahr für dich ist oder ob es sich bei deiner momentanen Unlust einfach nur um ein vorübergehendes Motivationstief handelt, mach doch einfach unseren kurzen Test. Damit erhältst du eine erste Einschätzung darüber, wo du als Arbeitnehmer aktuell stehst:

Lies dir dazu die nun folgenden Fragen durch und beantworte sie mit einem Ja oder einem Nein. Merk dir die Anzahl der Fragen, die du mit einem Ja beantwortest, denn die wirst du für die spätere Auswertung brauchen.

  1. Montags ist meine Laune schlecht und wird auch über die gesamte Woche nicht besser.
  2. Am Arbeitsplatz bin ich höchstens Freitag Nachmittag gut drauf, weil ich weiß, dass nun das Wochenende nicht mehr weit ist.
  3. Früher war der Arbeitstag definitiv schneller vorbei.
  4. Ich kann nicht nachvollziehen, warum meine Kollegen ihren Jahreszielen hinterhertragen.
  5. Überstunden mache ich nur noch in Notfällen.
  6. Die Stimmung in der Belegschaft war früher besser.
  7. Ich habe keine Lust mehr, mich mit meinen Kollegen auf ein Feierabendbier zu verabreden.
  8. Mein Vorgesetzter scheint mir nicht gerade kompetent zu sein.
  9. Die Karriereaussichten in der Firma gehen gegen Null.
  10. Ich vermisse eine echte Perspektive in meinem Job.
  11. Mein Potenzial wird von meinem Chef nicht gefördert – er sieht es noch nicht einmal.
  12. Wenn sich ein guter Freund bei meinem Arbeitgeber bewerben möchte, würde ich sofort und nachdrücklich davon abraten.
  13. Ich identifiziere mich nicht mehr mit der Firmenphilosophie. Die meisten Entscheidungen der Unternehmensspitze kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
  14. Ich suche zwar nicht offensiv nach einem neuen Job, schaue jedoch immer mal wieder im Netz nach interessanten Angeboten.
  15. Wenn mich ein Personalberater anrufen und einen neuen Job anbieten würde, würde ich vermutlich zusagen.

 

Weniger als die Hälfte mit Ja beantwortet:

Du scheinst zwar nicht gerade glücklich bei deinem Arbeitgeber zu sein, innerlich gekündigt hast du aber noch nicht. Jedoch solltest du dringend etwas unternehmen, bevor es doch noch zu inneren Kündigung kommt.

 

Die Hälfte oder mehr als die Hälfte mit Ja beantwortet:

Vermutlich ist bei dir die innere Kündigung schon durch. Je nach dem, wie lange du schon innerlich gekündigt hast, zeigen sich mehr oder weniger starke Anzeichen. Solange es aktuell „nur“ so ist, dass du dich wenig für deine Arbeit motivieren kannst, geht es vielleicht noch. Ständig keine Lust auf deinen Job zu haben, kann jedoch irgendwann zu ernsthaften Gesundheitsproblemen und sogar zu einem Burnout führen. Daher gilt: So schnell wie möglich etwas unternehmen.

 

Tipps: Auswege aus der inneren Kündigung

Wenn du nur noch unzufrieden bist, dir der Gedanke an deine Arbeit Bauchschmerzen macht und du am liebsten morgens einfach liegen bleiben und dir die Decke über den Kopf ziehen würdest, ist es an der Zeit, etwas dagegen zu tun.

Einfachster Ausweg aus der Situation ist die äußere Kündigung, bei der du deinem Chef dein Kündigungsschreiben überreichst. Denn nach diesem Akt ist nach der Kündigungsfrist definitiv Schluss und du kannst dich anderen Aufgaben bei einem anderen Arbeitgeber widmen.

So weit muss es jedoch nicht kommen. Denn vor der tatsächlichen Kündigung kannst du zum Beispiel noch folgendes ausprobieren:

  1. Gedanken machen: Jede Problemlösung beginnt damit, dass du dir Gedanken über den aktuellen Zustand und vor allem darüber machst, was du überhaupt erreichen möchtest. Unter Umständen kannst du dich auch mit deinen Freunden oder deiner Familie darüber beraten. Häufig ist man überrascht, mit welchen Vorschlägen und Ideen unser nächstes Umfeld um die Ecke kommt.
  2. Gespräch suchen: Wenn dir bei deinen Überlegungen klar geworden ist, dass es dir helfen könnte, dich intern zu verändern, sollest du genau das bei deinem Vorgesetzten ansprechen. Hier gilt: Möglichst genau vorbereiten, was du möchtest und deine Fähigkeiten und Qualifikationen damit abgleichen.
  3. Zeitrahmen setzen: Damit du nicht unendlich versucht, etwas zu ändern, es aber nicht schaffst, solltest du dir eine klare Deadline setzen, bis zu der du eine deutliche Veränderung merken möchtest. Der Zeitrahmen darf natürlich nicht zu eng sein – mehrere Monate dauert ein solches Vorgehen gerne mal. Solltest du merken, dass sich nach 6-9 Monaten nichts an deiner Situation getan hat, ist vermutlich eine Kündigung der letzte Ausweg.