Discounter kassiert "wahre Preise" und schockt Kunden

Dieser Discounter verursacht einen Preisschock der besonderen Art. Eine Woche lang kassiert er die wahren Preise seiner Lebensmittel und schockt damit Kunden. Diese Aktion soll ein Bewusstsein für die versteckten Kosten in Waren schaffen.

01.08.2023, 18:22 Uhr
Discounter kassiert "wahre Preise" und schockt Kunden
Damla Özkan/Unsplash
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Wie teuer Lebensmittel in den vergangenen Monaten geworden sind, mussten deutsche Haushalte deutlich spüren. Dabei spiegeln die heutigen Kosten aus Sicht eines Lebensmitteldiscounters nicht wider, wie teuer sie sein müssten.

In einem Experiment kassiert Penny nun eine Woche lang die „wahren Preise“ für die verkauften Waren. Die hohen Summen schocken Kunden und führen dabei vor Augen, wie hoch der Schaden an der Umwelt für einige Lebensmittel tatsächlich ausfällt.

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Wahre Preise spiegeln versteckte Kosten wider

Wie groß der Effekt dieser versteckten Kosten wirklich ausfällt, verdeutlichen die wahren Preise für eine Packung Wiener Würstchen. Normalerweise kosten sie rund 3,19 Euro im Discounter. Unter Berücksichtigung der Umweltverschmutzung kassiert Penny jetzt 6,01 Euro dafür.

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Ein Fruchtjoghurt kostet mit einem Mal 1,59 Euro statt 1,19 Euro. Der Mozzarella verdoppelt sich im Preis beinahe von 89 Cent auf stolze 1,55 Euro. Es ist ein ungewöhnliches Experiment, in dem der Discounter Penny die wahren Preise für seine Lebensmittel verdeutlichen will.

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In dieser Woche berechnet der Laden nur für 9 seiner mehr als 3.000 Produkte die tatsächlichen Kosten.

defotoberg / Shutterstock.com

Nachdem viele Haushalte bereits jetzt mit den höheren Lebensmittelpreisen kämpfen, erscheint das ein riskantes Manöver zu sein. Dennoch scheint es Penny-Manager Stefan Görgens ein wichtiges Anliegen zu sein, diese Botschaft zu vermitteln.

„Wir sehen, dass viele unserer Kundinnen und Kunden unter den unverändert hohen Lebensmittelpreisen leiden. Dennoch müssen wir uns der unbequemen Botschaft stellen, dass die Preise unserer Lebensmittel, die entlang der Lieferkette anfallen, die Umweltfolgekosten nicht widerspiegeln“, so Görgens. Mit dieser einwöchigen Aktion in allen 2.150 Filialen des Discounters will das Unternehmen mehr Problembewusstsein unter den Kunden schaffen.

Dabei ist keineswegs geplant, dass der Supermarkt die erhaltenen Gelder behält. Sämtliche Zusatzerlöse durch die Mehrkosten will das Unternehmen für ein Projekt zum Klimaschutz und Erhalt von familiengeführten Bauernhöfen im Alpenraum spenden.

Pennys „wahre Preise“ enthalten neben den üblichen Herstellungskosten ebenso die Auswirkungen der Lebensmittelproduktion auf Klima, Boden, Wasser und Gesundheit. Berechnet wurden sie für dieses Projekt von Wissenschaftlern der Technischen Hochschule Nürnberg sowie der Universität Greifswald.

Nicht alle Lebensmittel erhöhen die Preise dabei so radikal wie Wurstprodukte oder Käse. Ein veganes Schnitzel etwa käme auf eine Preiserhöhung von lediglich 5 Prozent. Sämtliche pflanzlichen Produkte weisen eine deutlich geringere Umweltbelastung auf, sodass der Aufschlag entsprechend gering ausfällt.

Ein mutiger Schritt in Zeiten der Inflation

Der Discounter dürfte von diesen teuren Produkten nicht viele verkaufen. Insbesondere in Inflationszeiten ist diese Maßnahme für mehr Umweltbewusstsein ein mutiger Schritt, den das Unternehmen aus eigener Tasche zahlen wird.

Auf lange Sicht könnte das Experiment sich dennoch als hilfreichen Schritt für Penny erweisen, denn solche Aktionen können zur Aufwertung einer Marke führen. Das finanzielle Risiko ist zudem gering, da sich das Projekt auf lediglich eine Woche begrenzt. Dadurch, dass lediglich eine geringe Menge an Produkten betroffen ist, dürfte die Aktion Kunden kaum verärgern.

Schließlich ist mehr als genügend Alternative in den Läden vorhanden, um zu günstigeren Produkten zu greifen.