Arbeitszeugnis: Geheimcodes, Mustervorlage, Beispiele

Das Arbeitszeugnis gehört zu einer vollständigen Bewerbung mit dazu. Denn mit dem Zeugnis des ehemaligen Arbeitgebers kann sich der neue Chef einen Eindruck von seinem (vielleicht) neuen Mitarbeiter machen. Kandidaten, die mit einem sehr guten Arbeitszeugnis aufwarten können, haben daher häufig bessere Karten im Bewerbungsverfahren. Wie man ein solches Arbeitszeugnis selbst schreiben kann und worauf zu achten ist, erfährst du jetzt – zusätzlich zu weiteren Tipps.

, 18:26 Uhr
Arbeitszeugnis: Geheimcodes, Mustervorlage, Beispiele
Orathai Mayoeh/shutterstock

Einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis: Die Unterschiede

Das Arbeitszeugnis kommt in verschiedenen Ausprägungen vor. Zunächst einmal gibt es das sogenannte Zwischenzeugnis, das der Personaler noch während des Beschäftigungsverhältnisses ausstellt. Darin äußerst er sich dazu, wie lange du schon im Unternehmen bist, was du dort konkret machst und wie er deine Arbeit beurteilt.

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Achtung: Wenn du ein Zwischenzeugnis verlangst, ist den meisten Arbeitgebern klar, dass du dich auf eine andere Stelle bewerben möchtest. Sei daher vorsichtig, wann und ob du ein derartiges Arbeitszeugnis beantragst. Auf der anderen Seite kannst du das Zwischenzeugnis auch als Bluff einsetzen. Du gibst nur vor, dich zu bewerben, hoffst insgeheim aber darauf, dass du deinen Arbeitgeber so zu Eingeständnissen bewegen kannst – zum Beispiel bei einer anstehenden Gehaltsverhandlung. Allerdings ist auch hier Fingerspitzengefühl gefragt. Fragst du nach einem Zwischenzeugnis, zweifeln einige Arbeitgeber an deiner Loyalität und werden dir erst Recht nicht entgegen kommen.

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In der Regel fragen die meisten Beschäftigten jedoch nach einem Arbeitszeugnis, wenn sie schon gekündigt oder zumindest den Entschluss gefasst haben, dies bald zu tun. Das Arbeitszeugnis, das man zum Ende des Beschäftigungsverhältnisses bekommt, gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen:

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  1. Einfaches Arbeitszeugnis: Darin wird lediglich gesagt, von wann bis wann du im Unternehmen gearbeitet hast und was deine täglichen Aufgaben waren.
  2. Qualifiziertes Arbeitszeugnis: Dieses Zeugnis ist umfangreicher. Es enthält die gleichen Angaben wie das einfache Arbeitszeugnis. Zusätzlich dazu äußerst sich der Personaler, wie du dich deinen Vorgesetzten und Kollegen gegenüber verhalten hast und wie deine Arbeit insgesamt zu beurteilen ist.

Gut zu wissen: In der Gewerbeordnung (GewO) Paragraph 109 Absatz 1 ist zu lesen, dass alle Arbeitnehmer in Deutschland einen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis haben. Sollte dein ehemaliger Chef sich weigern, dir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen, kannst du ihn ja einfach mal ganz unverbindlich auf diese Vorschrift hinweisen.

 

Geheimcodes im Arbeitszeugnis: Die versteckte Bewertung

Dein Verhalten und deine Arbeitsleistung im Arbeitszeugnis zu bewerten, ist für den Personaler gar nicht so einfach. Denn ein korrektes Arbeitszeugnis muss zwei wesentliche Bedingungen erfüllen:

  1. Es muss wahr sein: Im Arbeitszeugnis dürfen nur Angaben stehen, die der Wahrheit entsprechen.
  2. Es muss wohlwollend formuliert sein: Der Personaler oder der ehemalige Chef darf nichts im Arbeitszeugnis schreiben, was zu Problemen bei der Suche nach dem nächsten Job führen könnte.

Gerade diese Wohlwollenspflicht führt häufig dazu, dass ehemalige Arbeitgeber bestimmte Geheimcodes nutzen. Damit versuchen sie durch die Blume eine Bewertung an den zukünftigen Arbeitgeber zu übermitteln.

Eine der häufigsten Bewertungen ist die Beurteilung mit folgenden Zeugniscodes, die sich auf die Arbeitsleistung beziehen:

 

Formulierung im Arbeitszeugnis Beurteilung
„Frau Meier hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit ausgeführt.“ Entspricht der Note „sehr gut“.
„Frau Meier hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit ausgeführt.“ Entspricht der Note „gut“.
„Frau Meier hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zur Zufriedenheit ausgeführt.“ Entspricht der Note „befriedigend“.

 

„Frau Meier hat die ihr übertragenen Aufgaben zur Zufriedenheit ausgeführt.“ Entspricht der Note „ausreichend“.
„Freu Meier hat sich stets bemüht.“ Entspricht der Note „mangelhaft“ und ist die schlechteste Bewertung, die im Arbeitszeugnis stehen kann.

 

Arbeitszeugnis selbst erstellen: Worauf muss ich achten?

Die oben genannten Formulierungen können dir schon ein wenig dabei helfen, wenn du dein Arbeitszeugnis selbst schreiben sollst. Denn einige Arbeitgeber überlassen es tatsächlich ihren Noch-Mitarbeitern, das Zeugnis selbst zu verfassen.

Obwohl das auf der einen Seite eine große Chance ist, lauern auf der anderen Seite auch einige Fallstricke. Denn schneller als einem lieb ist, hat man aus Versehen Formulierungen im Arbeitszeugnis genutzt, die nicht optimal sind. Oder aber man hat bestimmte Angaben vergessen, die jedoch unbedingt in das Zeugnis gehören. Sollte der Personaler oder der noch aktuelle Chef das Zeugnis dann nicht sehr sorgfältig kontrollieren, steht man am Ende mit einem offiziellen Schreiben da, das schlechter ausfällt als gewollt.

Damit das nicht passiert, haben wir die wichtigsten formalen Angaben für dich hier übersichtlich aufgeführt.

  1. Komplette Anschrift und korrekte Firmierung deines Arbeitgebers. Alternativ kannst du fragen, ob das Arbeitszeugnis auf Firmenbriefpapier gedruckt werden könnte – das sieht auch gleich professioneller aus.
  2. Das Arbeitszeugnis trägt die Überschrift „ Arbeitszeugnis
  3. Danach geht es schon an den Inhalt. Das Arbeitszeugnis startet mit deinen Daten, nämlich deinem vollständigen Namen, mit Geburtsdatum und Geburtsort und der Zeitspanne, die du im Unternehmen beschäftigt warst. Außerdem gehört die korrekte Bezeichnung des Berufs, den du ausgeübt hast, ins Arbeitszeugnis hinein.
  4. Nach diesen formalen Angaben geht es an die inhaltliche Beschreibung. In den nun folgenden Absatz gehören deine größten Erfolge und ein kurzer Abriss deiner regelmäßigen Tätigkeiten.
  5. Nicht zu vergessen: Eine etwas ausführlichere Bewertung deiner Leistungen: Wie hast du dich in die Firma eingebracht, wir hast du eine aufgaben erledigt und wie ist es um dein Fachwissen bestellt?
  6. Auch dein Verhalten gegeben über den Vorgesetzten, Kollegen und Kunden wird im qualifizierten Arbeitszeugnis genauer erwähnt.
  7. Was du auf keinen Fall vergessen solltest, ist der nun folgende Abschnitt. Hier geht es nämlich um den Austrittsgrund. Schreibst du, dass du das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt, heißt es, dass du gekündigt hast. Im gegenseitigen Einverständnis bedeutet dagegen, dass dein Chef die Kündigung ausgesprochen hat. Fehlt der Abschnitt komplett, wird der Personaler mit Sicherheit misstrauisch werden und genauer nachfragen  – sofern du dann überhaupt noch die Chance zu einem persönlichen Gespräch bekommst.
  8. Ebenfalls wichtig ist die sogenannte Schlussformel und Wünsche des Personalers oder des Arbeitgebers für deinen Zukunft.
  9. Komplett ist das Arbeitszeugnis, wenn Ort, aktuelles Datum und die Unterschrift des Personalverantwortlichen oder des Chefs auf dem Dokument zu finden sind.

 

Arbeitszeugnis Vorlage: Wie sieht es sehr gutes Arbeitszeugnis aus?

Neben den formalen Angaben ist der eigentliche Inhalt das, worauf es ankommt. Wenn du dein Arbeitszeugnis selbst schreiben darfst, dir aber unsicher bist, wie du das am besten machst, kannst du unsere Vorlage nutzen. Personaler werden dieses Muster Arbeitszeugnis meist mit der Note „sehr gut“ bewerten.

 

(Briefkopf oder Firmenbriefpapier)

 

Arbeitszeugnis

Frau Meier, geboren am 31.12.1989 in Kiel, war vom 1. Juni 2018 bis zum 31. Dezember 2020 in unserer Firma als Sachbearbeiterin beschäftigt. Zu ihren Aufgaben gehörten

  • Allgemeine verwaltende Bürotätigkeiten
  • Korrespondenz mit Kunden, Zulieferern und Dienstleistern
  • Kalkulation und Auswertung der Angebote von Zulieferern und Dienstleistern
  • Erfassung von Stammdaten der Belegschaft
  • Vorbereitende Buchhaltung

Frau Meier stellte ihr tiergehendes Fachwissen täglich unter Beweis und konnte dank ihrer großen Expertise in allen Fragen kompetent beraten. Dabei behielt sie immer den Erfolg des Unternehmens im Blick. Durch ihren Verbesserungsvorschlag im Einkauf konnte sogar eine beachtliche Kostenersparnis erzielt werden.

Sie war für Vorgesetzte, Kollegen, Lieferanten und Dienstleister jederzeit ein konstruktiver Ansprechpartner und jederzeit bereit und in der Lage, die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Frau Meier erledigte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit und war bei Vorsetzten, Kollegen, Kunden und Lieferanten aufgrund ihrer großen Vertrauenswürdigkeit und herausragenden Zuverlässigkeit hoch angesehen. Wir verlieren mit ihr eine äußerst engagierte Mitarbeiterin, die sich jederzeit in den Dienst des Unternehmens stellte und nie davor zurückschreckte, private Belangen dem unterzuordnen.

Frau Meier verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir bedauern ihren Entschluss außerordentlich, wünschen dieser großartigen Mitarbeiterin jedoch für ihre weitere berufliche und private Zukunft alles Gute.

 

Musterstadt, 1. April 2022

 

Unterschrift des Personalverantwortlichen

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